Chronologie des Zwangsarbeitereinsatzes in Göttingen |
| Kriegsereignisse: 29./30.9.1938 Münchner Konferenz beschließt Abtretung des Sudetengebietes an Deutschland; deutscher Einmarsch in die Tschechoslowakei am 1.10.1938 | ||||||
| Organisation und Erlasse: 19.1.1939 Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich über die Anwerbung von 40 000 Arbeitskräften für Deutschland | ||||||
| Kriegsereignisse: 14.3.1939 Die Slowakei erklärt sich für selbstständig und unterstellt sich dem Schutz des Deutschen Reiches
15./16.3.1939 Besetzung der Rest-Tschechoslowakei und Eingliederung als "Protektorat Böhmen und Mähren" in das Deutsche Reich | ||||||
| Organisation und Erlasse: Anwerbebeginn im Protektorat am 23.3.1939 | ||||||
Göttingen: Im April/Mai 1939 kommen die ersten tschechischen Rüstungsarbeiter nach Göttingen | ||||||
| Organisation und Erlasse: 26.6./4.7.1939 Gestapoerlass für Tschechen: "Schutzhaft" bei Arbeitsverweigerung, politischer Betätigung und Diebstahl; begründet Sonderrecht für ausländische Arbeiter | ||||||
| Kriegsereignisse: 1.9.1939 Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen | ||||||
| Organisation und Erlasse: 3.9.1939 Einrichtung der ersten deutschen Arbeitsämter im besetzten Polen | ||||||
Göttingen: Ende September 1939 tschechische Bahnarbeiter zur Göttinger Reichsbahn; erstmals Lagerunterbringung für ausländische Arbeiter in Göttingen (Gasthaus "Am Sültebeck") | ||||||
| Kriegsereignisse: 8.10.1939 Errichtung des Regierungsbezirks Kattowitz mit "Oststreifen" - vorgesehen zur Isolierung und Ausbeutung von Juden und Polen
26.10.1939 Eingliederung großer Teile des westlichen und nördlichen Polens (Wartheland, Danzig-Westpreußen, Südostprueßen, Sudauen und Ostoberschlesien) in das Deutsche Reich; das zentral- und südpolnische Gebiet wird als "Generalgouvernement" einem deutschen Gouverneur mit Sitz in Krakau unterstellt | ||||||
Göttingen: 20.11.1939 63 Polen aus dem Regierungsbezirk Kattowitz ("Oststreifen") zur Firma Fritz Keim, Maschmühlenweg Februar/März 1940 polnische Arbeiter aus dem Generalgouvernement zu Bauern in Geismar, Weende und wahrscheinlich auch Grone | ||||||
| Organisation und Erlasse: 8.3.1940 "Polenerlasse": Kennzeichenpflicht für Polen; KZ für "Arbeitsflucht"; Todesstrafe bei Geschlechtsverkehr mit Deutschen | ||||||
Göttingen: März 1940 Massenflucht der polnischen Arbeiter bei Keim | ||||||
| Kriegsereignisse: 9.4.1940 Besetzung Dänemarks und Invasion in Norwegen - die dänische Regierung entscheidet sich, im Amt zu bleiben und mit der deutschen Besatzungsmacht zusammenzuarbeiten; formal blieb Dänemark ein selbständiger Staat | ||||||
| Kriegsereignisse: 10.5.1940 Überfall auf die neutralen Niederlande, Belgien und Luxemburg;
15.5.1940 Kapitulation der Niederlande; 28.5.1940 Einsetzung eines "Reichskommissars" für die Verwaltung der Niederlande (Seyss-Inquart) | ||||||
| Organisation und Erlasse: Entlassung der holländischen Kriegsgefangenen | ||||||
| Kriegsereignisse: 28.5.1940 Kapitulation der belgischen Armee; die belgische Regierung ging ins Londoner Exil;
König Leopold III. (1901-1983) blieb als Kriegsgefangener des deutschen Besatzungsregimes unter General Alexander von Falkenhausen (1878-1966) in Belgien | ||||||
| Organisation und Erlasse: Entlassung der flämischen Kriegsgefangenen kurz nach der Kapitulation; 65 000 wallonische Kriegsgefangene werden ins Reich gebracht und arbeiten dort bis Kriegsende | ||||||
Göttingen: 31.5.1940 Pläne von Oberbürgermeister Gnade zur Unterbringung von 1000 Kriegsgefangenen auf dem Hainholzhof | ||||||
| Kriegsereignisse: 5.6.1940 Beginn der Großoffensive gegen Frankreich | ||||||
| Kriegsereignisse: 10.6.1940 Kapitulation Norwegens; ein deutsches Besatzungsregime mit einem Reichskommissar war bereits Ende April gebildet worden | ||||||
| Organisation und Erlasse: Entlassung der norwegischen Kriegsgefangenen | ||||||
| Kriegsereignisse: 22.6.1940 Kapitulation der französischen Armee, Unterzeichnung des Waffenstillstands im Wald von Compiègne: Die Nordhälfte Frankreichs unter Einschluß der Industriegebiete sowie der französischen Kanal- und Atlantikküste bis zur spanischen Grenze unterstand einer in Paris residierenden deutschen Militärverwaltung, die Südhälfte (etwa 40 % des französischen Staatsgebietes mitsamt den Kolonien der Vichy-Regierung, der Hitler begrenzte Selbständigkeit zubilligte; Elsass und Lothringen wurden der Zivilverwaltung der angrenzenden deutschen Gaue unterstellt und faktisch, wenn auch nicht staatsrechtlich, vom Deutschen Reich annektiert | ||||||
| Organisation und Erlasse: Etwa 1,6 Millionen französische Kriegsgefangene werden ins Deutsche Reich gebracht und auf Arbeitskommandos verteilt; am Ende des Krieges sind noch ca 1 Million Franzosen als Kriegsgefangene in Deutschland | ||||||
| Organisation und Erlasse: 10.7.1940 Die polnischen Kriegsgefangenen werden in den Zivilarbeiterstatus überführt (Erlass des Reichsführers SS) | ||||||
| Organisation und Erlasse: 10.7.1940 Französische (und belgische) Kriegsgefangene können auch außerhalb der Landwirtschaft eingesetzt werden: "Ihre Arbeitskraft ist auf das Schärfste anzuspannen." Der Unternehmer schließt einen Vertrag mit dem STALAG (Kriegsgefangenenstammlager) über den Arbeitseinsatz der Kriegsgefangenen, die Entlohnung wird an das StALAG, nicht an den Gefangenen selbst gezahlt (Erlass des Reichsarbeitsminiteriums) | ||||||
Göttingen: August 1940 Umbau der Gaststätte "Am Sültebeck" zum städtischen Kriegsgefangenenlager für französische Kriegsgefangene | ||||||
Göttingen: 20.9.1940 Erstbelegung des Kriegsgefangenenlagers Sültebeck mit 122 französischen Kriegsgefangenen – Einsatz zunächst ausschließlich in Göttinger Rüstungsbetrieben | ||||||
Göttingen: Januar/Frühjahr 1941 Einrichtung von Kriegsgefangenenlagern der Reichsbahn, der Aluminiumwerke, der Phywe AG, Wilhelm Lambrecht, Josef Schneider & Co | ||||||
Göttingen: 18.3.1941 erstmals 15 französische Kriegsgefangene in einem städtischen Betrieb (Gaswerk) | ||||||
Wird fortgesetzt