Lager Egelsberg, Königsallee 221, Göttingen, Grone
genutzt und betrieben von: Wehrmacht - Flakzeugamt (9 oder mehr Holz- und auch Steinbaracken)
bestand spätestens seit Januar 1943 bis Kriegsende

Neben dem Gelände der Kavalleriekasernen auf dem Lohberg, auf dem sich ein Kriegsgefangenenlager befand, und der Artilleriekaserne in Weende, in dem die dort seit Oktober 1944 bestehende SS-Kavallerie-Schule in Außenlager des KZs Buchenwald betrieb, war das Lager Egelsberg der dritte wichtige Standort eines Zwangsarbeiterlagers auf Wehrmachtsgelände. Mit einer Gesamtfläche von über 100 ha waren der 1935 fertiggestelle Fliegerhorst und das Luftzeugamt (auch Flakzeugamt) die größte Militäranlage in Göttingen. Das Lager war ein Barackenlager in der südöstlichen Ecke des Geländes, ö,stlich begrenzt durch den Königststieg, südlich vom Greitweg. Eingezeichnet in die Lageskizze sind sechs große Mannschaftsbaracken (Nr. 88-91, Nr. 94 und 96) und drei kleinere (Funktions-)baracken (Nr. 92, 93 und 95). Das Lager wurde jedoch mehrfach erweitert, so dass die Gesamtzahl der Baracken durchaus höher gewesen sein kann.

Im Lager untergebracht waren:

  • Ab Januar 1943 französische Zivilarbeiter - insgesamt mindestens 350. Im Lager Egelsberg gab es nach Berichten einer französischen Lagerzeitung 300 Mitglieder einer Selbstorganisation der französischen Zivilarbeiter (Amicale), die Freizeitaktivitäten für die französischen Arbeiter in Göttingen organisierte.
  • Ab Mai 1943 eine Gruppe von etwa 30 holländischen Studenten.
  • Im April 1943 waren auch einige Belgier ins Flakzeugamt gekommen, ausschließlich Flamen.
  • Spätestens seit März 1944 wurden im Flakzeugamt auch ein Lager für "Ostarbeiter" eingerichtet. Dort waren zwischen 100 und 150 Männer untergebracht. Nachdem am 1. Januar 1945 das Lager Schützenplatz bombardiert worden war, kamen auch einige "Ostarbeiterinnen" aus dem Lager Schützenpaltz in eine Ausweichbaracke ins Lager Egelsberg. Ebenfalls in dieser Baracke waren auch einzelne Polinnen untergebracht. Die Frauen arbeiteten jedoch mehrheitlich nicht im Flakzeugamt.

     

    Lagereingang

    Eingang des Lagers Egelsberg, Foto Louwerse

    Baracke

    Baracke im Lager Egelsberg, Foto Louwerse

     

    Beschreibung des Lagers durch Cees Louwerse
  • Flugzeughalle

    Aufnahme des Architekten A. Günther von einer der Flugzeughallen.

    Lageplan FLuplatz mit Lager Egelsberg

    Lageplan von Fliegerhorst und Luftzeugamt. Rechts unten das Zwangsarbeiterlager.

    Lageplan FLuplatz mit Lager Egelsberg

    Lageplan FLuplatz mit Lager Egelsberg


    Quellen:

    Einwohnermeldekarten, Stadtarchiv Göttingen, Aufenthaltsanzeigen für Ausländer, ebd., Pol.Dir. Fach 124 Nr. 15; Register Fremdenpässe, ebd. Ordnungsamt acc. 1047/1991 Nr. 258; Statistiken August/September 1944, ebd. Pol.Dir. Fach 124 Nr. 2, Bl. 541f. , Bl. 544-547; Handschriftliche Statistik vom 16.11.1942-31.12. 1945, Statistiken der Verbrauchergruppen und des Bedarfs an Lebensmitteln vom 19.10.1942-12.11.1944 (nicht vollständig vorhanden), ebd. Ernährungsamt Nr. 50, o.P.; Ausländerliste 1940-1946, ebd., Geismar Nr. 716; Lageraufnahme Belgischer Suchdienst 1949, Niedersächsisches Haupt- und Staatsarchiv Hannover Film 3; Artikel vom 23. 5.1943 über die Franzosen im Flakzeugamt Göttingen, in: Journal publié par l’Amicale des Travailleurs Français en Allemagne.

    Foto Flugzeughalle A. Günther, aus: August Kage, Grone Stadtteil von Göttingen in Bild und Wort, Göttingen o.J. (1962), S.70.

    Fotos Lager Egelsberg C.Louwerse, Stadtarchiv Göttingen, Sa. 32- Sammlung Tollmien (Foto-CD).

    Reg.präs. Hildesheim an Oberpräsidenten 19.2. 1944, 25.4.1944, Niedersächsisches Haupt- und Staatsarchiv Hannover Hann 122 a Nr. 3321, Bl. 75; Gesundheitsamt an Reg. präs. 19.4.1944, Stadtarchiv Göttingen Pol.Dir. Fach 74 Nr. 6, Bl. 95.

    Literatur:

    Interessengemeinschaft "Garnisonstadt Göttingen e.V.", Die strenge Form. Zur Geschichte der Militärbauten in Göttingen, Göttingen 1992, S.28-39, S. 59 (Lageplan, S. 37).

     


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